Pflegedienst

an der »Romantischen Straße«

Mittelalterliche Mystiker haben den Lebensweg des Menschen mit einem Bogen verglichen. Zunächst beschreibt der Bogen eine aufsteigende Linie. Aus dem Nichts kommt der Mensch auf die Welt, er wird größer und seine körperliche und geistige Kraft entfaltet sich immer mehr. Der Scheitelpunkt des Bogens steht für die Mitte des Lebens. Der Mensch hat sich in der Welt eingerichtet und steht in seiner vollen Blüte. Zugleich spürt er aber, dass es jetzt allmählich wieder abwärts geht.
Diese überschreitung des Höhepunktes kommt bei manchen Menschen, wie bei einem Fußballer oder bei einem Starlet relativ früh. Andere, wie etwa Schriftsteller oder Politiker, erreichen den Gipfel der Macht oder des Ansehens relativ spät. Aber irgendwann kommt für jeden die Zeit, wo er einsehen muss, von nun an geht es abwärts. Andere wachsen nach, sind tüchtiger, schneller. Die Schönheit vergeht und man sucht sie noch zu halten. Man will beweisen, dass man noch Kraft hat, dass man noch begehrenswert ist. Aber die Kurve des Lebensbogens nimmt ihren Verlauf und neigt sich nach unten. Bis man kleiner und geringer und schließlich hilfsbedürftig wie ein Kind wird. Das ist das Ende. Doch die Mystiker des Mittelalters vergleichen das Leben des Menschen mit einem ganz anderen Bogen. Der Verlauf dieses Bogens beschreibt eine Linie, die von oben nach unten absteigt und dann wieder nach oben geht. Das Leben ist ein Geschenk Gottes und fängt im Himmel an. Während der Mensch heranwächst, senkt sich der Weg seines Lebens langsamer hinein in die Niederungen der materiellen Welt. Als Erwachsener Schleißt er Kompromisse und weicht zusehends von seinen Idealen ab. Je mehr er an Macht gewinnt, je mehr wird er auch hineingezogen in fragwürdige Abhängigkeiten und Geschäfte. Das ist der tiefste Punkt des Bogens. Der Bogen, der sich hineingesenkt hat in die Geschäfte dieser Welt, macht an dieser Stelle eine Kehre, eine Wendung nach oben. Der Mensch, dessen Lebensweg diesem Bogen folgt, hat an diesem Punkt die Möglichkeit, seinem Leben eine andere Ausrichtung zu geben. Er sieht, es geht im Ansehen, in der Macht und materiell nicht weiter aufwärts. Aber da ist auch die Einsicht, dass es eigentlich darauf gar nicht ankommt, weil ganz anderes wichtig ist. Er kann vieles loslassen, was ihn belastet hat. Er wird einfacher, schlichter und kann sich wieder über die kleinen Dinge des Lebens freuen. Er wird offener und weiß, er hat noch das Eigentliche vor sich. Das ist die Kunst, in der Lebensmitte den Absprung zu schaffen. Von dem einen Bogen, der aufwärts und dann abwärts führt, zu dem anderen Bogen, der wieder nach oben, nach Hause zu Gott führt.

Abt Odilo Lechner


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